„Die Sinnende“ wurde 50

Wer im Schlosspark unterwegs ist oder eine Ausstellung in der Galerie besucht, kommt in der Regel stets an ihr vorbei: an der Skulptur „Die Sinnende“ von Ingeborg Hunzinger. Entspannt, lässig die Beine übereinander geschlagen, sitzt sie auf ihrer Wiese und träumt vor sich hin. Viele Besucher lieben sie, kommen ihr näher oder grüßen von weitem. Die „Sinnende“ wurde im Juni 50 Jahre alt. Ingeborg Hunzinger schlug sie im Frühsommer 1976 während eines Symposiums aus dem Reinhardtsdorfer Sandstein.

Das Dorf in der Sächsischen Schweiz verfügt über einen Steinbruch mit Naturstein, der als Reinhardtsdorfer Sandstein bekannt ist. An dem Symposium mit Beteiligung polnischer und rumänischer Künstler nahm auch Karl-Günter Möpert teil, einer der beiden Schöpfer des „Denkmals für die Erbauer Marzahns“. In einem Material schreibt er: “Symposien dieser Art tragen dazu bei, dass der Naturstein, der ja ein uraltes Gestaltungsmaterial ist, wieder mehr Beachtung bei der Gestaltung künstlerischer Vorhaben gewinnt. Angst und Befangenheit bei der Bewältigung des Materials werden abgebaut, weil der handwerklich erfahrene Kollege dem unerfahrenen Kollegen seine Erfahrungen uneingeschränkt mitteilt.“

Die Figur 1976 im Steinbruch
Ingeborg Hunzinger (re.) mit zwei Kollegen im Steinbruch, sie war damals 61 Jahre alt

„Die Besinnliche“ wird im Spätsommer 1976 in Kaulsdorf Nord aufgestellt, an der damaligen Kaufhalle im Teterower Ring; im Bereich des heutigen Spreecenters. Die Figur war eine von mehreren folgenden Arbeiten Hunzingers im Bezirk Marzahn, für dessen künstlerische Ausgestaltung sich die Künstlerin stark gemacht hatte. Die wohl bekannteste Arbeit steht vor dem Freizeitforum Marzahn: „Die Geschlagene, Die sich Aufrichtende, Der sich Befreiende“.

Die „Besinnliche“ an ihrem damaligen Standort

Dennoch hinterließ sie bei den einkaufenden Passanten keinen bleibenden Eindruck. Im Sommer 1978 gelangt die Arbeit in die Ausstellung „Plastik und Blumen“ in Berlin-Treptow. Dort muss bei Verantwortlichen die Kenntnis gereift sein, dass die Figur in einem landschaftlichen Umfeld besser aufgehoben ist.

„Die Besinnliche“ im Sommer 1978 in Berlin-Treptow (Foto: Sonntag, 27.8.1978)


Von Treptow ist die Figur ganz offensichtlich nicht nach Kaulsdorf Nord zurückgekehrt. Sie wird unter dem neuen Namen „Die Sinnende“ 1980 am heutigen Standort im Schlosspark Biesdorf aufgestellt. Hier erfreut sie sich hoher Aufmerksamkeit und Anerkennung. Wir gratulieren zum 50. und wünschen noch viele schöne Jahre!


(Dieser Beitrag war Bestandteil eines größeren Artikels auf dieser Homepage im Jahre 2017.)


 


 

vom: 06.08.2026