Drei Birken zum Gedenken

vom 8.05.2020

Am 7. Mai 2020, 75 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, pflanzten Bürgerinnen und Bürger sowie Bürgermeisterin Dagmar Pohle und die Stadträtinnen Nadja Zivkovic und Juliane Witt im Schlosspark Biesdorf drei Birken zur Erinnerung an gefallene Soldaten der Roten Armee, die dort zeitweilig beerdigt waren. Es war zugleich eine Erinnerung an den Tag der Befreiung.

In ihrer kurzen Ansprache erinnerte die Bürgermeisterin an den deutschen Vernichtungsfeldzug in der Sowjetunion und zitierte Zeilen aus Jewgeni Jewtuschenkos unvergessenem Gedicht "Meinst du, die Russen wollen Krieg?" Die heute gepflanzten Birken, so Frau Pohle, sollen erinnern an die verbrannte Erde und den umkämpften Weg zurück.

Für unseren Verein, von dem diese Initiative ausging, sprach Dr. Heinrich Niemann. „Dass die Einrichtung dieses Friedhofs durch die sowjetische Armee den nach dem 2. Weltkrieg in Berlin oft für Feuerholz gefällten Baumbestand in diesem Park gesichert und das Schloss vor weiterer Zerstörung und Verfall bewahrt hat, erweist sich mit Blick auf die nach vielen Jahrzehnten gelungene Wiederherstellung des Denkmalensembles nicht nur als glücklicher Umstand, sondern als zusätzliches Argument, an den 75. Jahrestag der Befreiung zu erinnern.“ Er dankte ausdrücklich Frau Stadträtin Zivkovic für die unbürokratische Umsetzung. Für den Heimatverein Marzahn-Hellersdorf war Vorstandsmitglied Claas Reise zu diesem Termin gekommen.

Bei der Pflanzung: Dr. Niemann, Frau Pohle, Frau Witt, Frau Zivkovic, Herr Reise (v. l.). Rechts Frau Schwedesky vom Grünflächenamt Marzahn-Hellersdorf

Die damalige Lage der Gräberfelder im Schlosspark. Die Birken wurden im südöstlichen Zipfel, im ehemaligen Feld c, gepflanzt

Ein Gruß der "Freunde Schloss Biesdorf"

Die Birke hat bei Slawen, insbesondere bei Russen, eine herausgehobene Bedeutung. Sie ist der hellste Baum im Wald und steht bei Festen im Mittelpunkt. Wächst sie neben dem Haus, wird sie zum Beschützer der Familie.

Der Saft der Birken ist sehr gesundheitsfördernd. Im Geschmack ist der Saft angenehm leicht süßlich und mit einem typischen Aroma. Russen trinken ihn gern zu einem zünftigen Schaschlyk und einem etwas stärkeren Wässerchen. Die alten Slawen hatten aus Birkenrinde geflochtene Schuhe und Kämme. Birkenholz gehört zu den weicheren Holzarten, deshalb verwenden es die Künstler gern. In früheren Zeiten stellte man Haushaltsgegenstände und Messerhüllen aus Birkenrinde her. Im Schaffen vieler Künstler nahm und nimmt die Birke einen herausragenden Platz ein.

Isaak Levitan: Goldener Herbst

Alexander Golowin: Birken im Abendlicht

Die erste Strophe des oben genannten Gedichtes von Jewtuschenko lautet:

Meinst du, die Russen wollen Krieg?Befrag die Stille, die da schwiegim weiten Feld, im Pappelhain,Befrag die Birken an dem Rain.Dort, wo er liegt in seinem Grab,den russischen Soldaten frag!Sein Sohn dir drauf Antwort gibt:

Meinst du, die Russen woll’n,meinst du, die Russen woll’n,‘meinst du, die Russen wollen Krieg?