Unter diesem Titel hielt die Autorin Edda Gutsche im Januar 2026 einen Vortrag gemeinsam mit der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf im Heino-Schmieden-Saal des Schlosses Biesdorf. Frau Gutsche war bereits vor genau zehn Jahren, im Januar 2016, mit dem Thema „Das Schloss Biesdorf im Reigen historischer Gutsanlagen in Berlin und Umgebung“ bei uns aufgetreten. Sie ist freischaffende Autorin und hat bereits mehrere Buchbeiträge und Einzeltitel zu kulturhistorischen und landeskundlichen Themen publiziert und sich dabei insbesondere mit Pommern und der Mark Brandenburg beschäftigt.
Herrenhäuser in Brandenburg und Hinterpommern zu beschreiben und zu vergleichen, hat natürlich auch einen politisch-geografischen Hintergrund. Hinterpommern war, wie Vorpommern, bis 1945 Teil des Deutschen Reiches. In Folge des 2. Weltkrieges und des Potsdamer Abkommens kam Hinterpommern dann an die Volksrepublik Polen. Davor jedoch waren Brandenburg, die Neumark und Pommern verwandte Landschaften und Gesellschaftsräume, die von deutschen Bauherren und Architekten ähnlich geprägt wurden. Im voll besetzten Saal saßen Menschen, die von dort stammen.
Zunächst konzentrierte sich Frau Gutsche auf brandenburgische Herrenhäuser und deren Geschichte(n). Sie überraschte mich mit dem Gedanken, dass östlich der Elbe, anders als im Westen, kaum Land verpachtet worden sei und die Landschaft deshalb weiträumiger strukturiert und weniger kleinteilig sei. Auch die geringere Bevölkerung habe dazu beigetragen. Stattliche Herrenhäuser wären daher mit großem Ehrgeiz und Aufwand durch reiche Gutsherren errichtet worden. Nicht wenige davon trügen mehr als nur historischen Kleinnebel in ihren Gemäuern.
Als besonders markante Bauten in diesen Kulturräumen nannte sie die Schlösser in Rügenwalde, Stolp und Danzig, dazu die Burg Beeskow sowie die Schlösser Demerthin in der Prignitz, das Jagdschloss Königs Wusterhausen, das Ritterschloss Kragen, das Barockschloss Altdöbern sowie die Schlösser Neuhardenberg und Prillwitz. Alle Namen sind hier einheitlich deutsch genannt. Diese Schlösser seien meist weitgehend barock oder klassisch gestaltet. Erst im 19. Jahrhundert hätten sich dann historistische Baustile dazu gesellt. Frau Gutsche stellte dann Bauten in Brandenburg und Hinterpommern vor.
Herrenhäuser in Brandenburg
Schloss Wiepersdorf
Herrenhaus Blankensee
Boitzenburg
Herrenhäuser in Hinterpommern
Die pommerschen Gutsherren, so Frau Gutsche, wussten schon Anfang des 19. Jahrhunderts – nach Horaz – das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden und schufen sich entsprechende Landsitze. Dabei sollte das neue Gutshaus ihren individuellen Bedürfnissen gerecht werden und dem Familienleben ebenso wie der Geselligkeit dienen. Pommern war die wichtigste Agrarprovinz des Deutschen Reichs, hier lebte noch vor dem Zweiten Weltkrieg ein Drittel der Bevölkerung von der Land- und Forstwirtschaft. Als Folge des im 16. Jahrhundert begonnenen „Bauernlegens“ waren auch in Hinterpommern riesige Güter entstanden, auf die etwa 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche fielen. Dadurch gab es hunderte von Gutshäusern, von denen ein Großteil gegen Ende des Zweiten Weltkriegs geplündert, zerstört oder abgebrannt wurde. Viele wurden noch Jahre danach abgebrochen oder bis zur Unkenntlichkeit verändert. Die verbliebenen Gutshäuser dienten als Verwaltungsgebäude, Schulen, Sozialeinrichtungen oder schlichtweg als Wohnhaus. Frau Gutsche, die des Polnischen mächtig ist, betonte immer wieder die großen Bemühungen des polnischen Staates um die Erhaltung und Wiederbelebung der historischen Gebäude unter neuen gesellschaftlichen Umständen.
Schloss Plathe
Schloss Streckenthin
Schloss Varzin
Text wird fortgeschrieben!
