Am 19. Juni 2026 veranstalteten wir eine Exkursion nach Beeskow im Landkreis Oder-Spree. Anlass war das 25jährige Bestehen unseres Vereins „Freunde Schloss Biesdorf“ im Herbst dieses Jahres. Damit wiederholten wir eine Tour aus dem Jahr 2014, als wir erstmalig dem Kunstarchiv Beeskow einen Besuch abstatteten. Damals war gerade klar geworden, dass Schloss Biesdorf nach Fertigstellung der umfassenden Sanierung als „Galerie Bilderstreit“ die Kunstwerke aus Beeskow regelmäßig zeigen würde.
Der Bus war gut gefüllt; fast 30 Personen waren unserer Einladung gefolgt. Für den Tag waren 35°C prognostiziert. Unsere Abfahrt vom U und S Wuhletal gelang gleich sehr gut. Wir hatten Bedenken wegen des starken Verkehrsaufkommens infolge des Bus-Ersatzverkehrs für die U 5. Aber Busfahrer Dirk bewältigte alle Probleme hochprofessionell. Wir kamen in Beeskow nicht nur pünktlich an, sondern auch planmäßig zurück nach Berlin.
In Beeskow hatten wir zwei Ziele: erstens das Kunstarchiv, das nun den Namen Schaudepot im Museum Utopie und Alltag Eisenhüttenstadt trägt und zweitens das Günter-de-Bruyn-Haus in der Brandstraße. Das Depot beherbergt etwa 18.500 Kunstwerke, die von Parteien und staatlichen Einrichtungen an KünstlerInnen in der DDR beauftragt und erworben worden waren. Großformatige Ölgemälde, fragile Papierarbeiten, schwere Bronzebüsten, feine Keramik, aufwendig geknüpfte Wandteppiche – die in Beeskow bewahrte Zusammenstellung bietet differenzierte Einblicke in das Kultur- und Kunstsystem der DDR. Die Führungen für die gebildeten zwei Gruppen hatte Frau Elke Szepes übernommen. Sachkundig hatte sie aus dem riesigen Bestand an Gemälden Beispiele ausgewählt, die verschiedenen Epochen und unterschiedlichen künstlerischen Stilen zuzuordnen sind. Ihre Interpretationen von Inhalt und Form der Kunstwerke führten zu interessanten Diskussionen mit und unter den Gästen aus Berlin. Dabei wurden auch Erinnerungen an die DDR-Kunstausstellungen in Dresden ausgetauscht. Und manch einer drückte sein Unverständnis aus, dass es keinen Ort gibt, wo diese teilweise beeindruckenden Kunstwerke dauerhaft zu betrachten sind.
Das Günter-de-Bruyn-Haus ist neben dem Schaudepot ein weiterer kultureller Leuchtturm in der Stadt an der Spree. Es wurde erst im April eröffnet, unser Besuch gehörte zu den ersten überhaupt. „Die Stiftung, deren Gründung auf einer testamentarischen Verfügung Günter de Bruyns beruht und die sich am 28. Juli 2021 in seiner Wohn- und Arbeitsstätte in der alten Schäferei in Blabber konstituierte, hat sich satzungsgemäß verpflichtet, die ideellen wie gegenständlichen Zeugnisse dieses Refugiums am Blabbergraben unweit von Görsdorf bei Beeskow zu sichern und literarisch wie zeitgeschichtlich als Gesamtkomplex zu erschließen. Mit Hilfe des Landkreises Oder-Spree, des Landes Brandenburg und des Bundes wird die umfangreiche Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt 18./19. Jahrhundert inventarisiert, eine Vollständigkeit anstrebende Bibliographie erstellt, das Archiv mit Originalmanuskripten, Tagebüchern, der Korrespondenz, den MfS-Unterlagen und der kulturhistorisch-regionalgeschichtlichen Sammlung gesichtet und verzeichnet“, heißt es auf der Homepage der Stiftung. De Bruyns Sohn Wolfgang führte durch das Haus, erläuterte ausführlich die Sanierung und die abwechslungsreiche Geschichte des denkmalgeschützten Hauses aus der Zeit um 1700.
Ein großer Teil der angesprochenen Bibliothek des Schriftstellers und Bibliothekars ist bereits eingeräumt und bannte einige Bibliophile aus unserer Gruppe ganz erheblich. Dieses zweite Besuchsziel inspirierte viele zu einer Erinnerung an Günter de Bruyn, der am 1. November 100 Jahre alt würde. Wir wollen im Herbst im Schloss Biesdorf daran erinnern.
Nach diesen Führungen im Schaudepot und im Günter-de-Bruyn-Haus wagten die meisten Exkursanten noch einen kleinen Bummel durch die Stadt, insbesondere auch nach St. Marien, wo bei äußeren 35°C ein kühles, angenehmes Plätzchen zu haben war. Danach war noch Zeit für einen kleinen Imbiss an der Spree oder auf der Burg Beeskow.
Die Heimfahrt startete pünktlich. Kaum hatten wir Platz genommen, ergoss sich über Beeskow Regen wie bei einem Weltuntergang. Die Sicht lag nur noch bei wenigen Metern. Auch diese Fährnis überwand der Busfahrer und brachte uns unversehrt nach Hause. Viele Gäste bedankten sich sehr herzlich für diese gut organisierte Fahrt und die vielen neu gewonnenen Erkenntnisse. Wir taten es gern.
(Axel Matthies)



