Im März 2025 eröffnete das Berliner DDR- Museum sein öffentlich zugängliches Depot in einem Neubau im Pyramidenring 10 in Marzahn – Grund genug für uns, eine „Biesdorfer Begegnung“ in dieser neuen Einrichtung in unserem Stadtbezirk zu organisieren. Die Information zu dieser Veranstaltung am 15. April 2026 war kaum veröffentlicht, da war sie auch schon ausgebucht – was uns ein außerordentlich hohes Interesse signalisierte.
Geplant war eine Führung durch die Bestände des Depots und ein anschließendes Gespräch mit den Machern über die Spezifik und die Besonderheiten dieser zeitgeschichtlichen Sammlung. Die ersten 40 Anmelder hatten Glück und fanden sich zum genannten Termin im „Klub der Funktionäre“ ein – einem Begegnungsort im Museumsdepot, dessen Name sicher mit einem gewissen Augenzwinkern entstanden ist. Ein erstes Staunen und Erinnern der Teilnehmer beim Wiedersehen mit der Schrankwand „Carat“ – mit Türen zum Öffnen und vielen Sachen zum Angucken, Anfassen und Wiedererkennen. Sessel aus dem Jagdschloss Hubertusstock, Nierentische und Standardmöbel aus den FDGB- Ferienheimen – alles gut bekannt.
Unsere Gastgeber Herr Gordon Freiherr von Godin (Geschäftsführer des DDR-Museums) und Herr Eric Denis Strohmeier-Wimmer (Wissenschaftlicher Leiter Sammlung) begrüßten uns Gäste herzlich und stellten das Konzept des Museums und die Idee eines öffentlich zugänglichen Depots vor: es ist mit über 360.000 Exponaten nach ihren Angaben die weltweit größte Sammlung zur Alltagskultur der DDR.
Vordringliches Ziel des Museums sei es, so Herr von Godin, “…das Leben eines durchschnittlichen DDR-Bürgers darzustellen. Wir wollen das Wissen über die DDR bewahren, vor allem für die jungen Menschen. Das ist unser Auftrag. Nicht Stasi und Mauer stehen im Mittelpunkt, dafür gibt es andere Museen in Berlin“.
Für den Erfolg dieser Idee spricht, dass kurz vor unserer Biesdorfer Begegnung der 10-millionste Besucher seit Gründung des Museums im Jahre 2006 begrüßt werden konnte – eine solche Besucherzahl wird auch bei gestandenen Museen und Kultureinrichtungen in Berlin selten erreicht.
Nach der kurzen Vorstellung und Einführung dann der spannende Moment der Führung durch zwei größere Lagerhallen und das Dokumentenarchiv. Schon beim Betreten der Räumlichkeiten ein erstes Aha – man stolperte förmlich über Bekanntes und Erinnerungswürdiges. Die allbekannte Waschmaschine WM66 war zu besichtigen – viele Teilnehmer konnten sich aus eigenem Erleben noch an die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten dieses kleinen und zuverlässigen „Technikwunders“ erinnern – vom Wäschewaschen über das Einwecken bis zur Nutzung als Bockwursterwärmer bei gesellschaftlichen Veranstaltungen.
Besonders umfangreich war die zu besichtigende Sammlung von Artefakten und Originalteilen aus dem „Palast der Republik“, die von den Organisatoren des Museums aus einem Depot in Spandau „gerettet“ wurden – und der Präsentation zu einem geeigneten Zeitpunkt harren. An vielen Kleinigkeiten und Alltagsgegenständen konnte nachvollzogen werden, wie sich das „normale, tägliche“ Leben der DDR-Bürger gestaltete und wie praktisch und ohne großen Luxus die meisten Dinge organisiert wurden – und welche Werte im Mittelpunkt des täglichen Lebens standen.
Natürlich durften Losungen, Ehrenbanner, großformatige Agitationsplakate, Brigadetagebücher, abgenommene Straßenschilder, Lehrbücher und Fotos nicht fehlen; es war eine spannende Zeitreise.
Eindrucksvoll die große Sammlung an Zweiradfahrzeugen, die sich im Bestand des Museums befindet – von Einförmigkeit und Langeweile konnte wahrlich keine Rede sein. Mancher erinnerte sich sicher noch an eigene Fahrten auf MZ, Simson oder Troll …
Bei weitem nicht alles kann in der Dauerausstellung des Museums in der Karl-Liebknecht-Straße 1 gezeigt werden – deshalb organisiert das Depot eine umfangreiche Ausleih- und Publikationstätigkeit. Die Nachfrage nach original DDR-Exponaten seitens anderer Museen, Ausstellungen oder auch Filmproduktionen sei sehr hoch – man mache das aber gern, damit die umfangreichen Depotbestände vielfältig zu sehen sind.
Für die Zukunft sieht das Depot des DDR-Museums sich auch als Forschungseinrichtung, Restaurationswerkstatt und Erinnerungsort. Auch die Ausbildung junger Menschen soll zukünftig organisiert werden – und das alles als rein privat geführte Einrichtung, die ohne Fördermittel oder sonstige Zuwendungen arbeitet. Dass das nur mit Herzblut und viel Engagement der Verantwortlichen und der Mitarbeiter möglich ist, davon haben uns unsere zwei Gastgeber bei Vortrag und Führung überzeugen können. Die zwei Stunden, die wir zu Gast an einem hochinteressanten Erinnerungsort verbringen durften, waren schnell vorbei – und haben bei den meisten Teilnehmern Interesse an mehr geweckt – vielleicht doch mal das Museum selbst zu besuchen.
Aufgrund des großen Interesses werden wir die Veranstaltung wiederholen – am 20. Mai ist bereits wieder ausgebucht, für den 27. Mai ist eine Anmeldung noch möglich.
(Dr. Klaus Freier)
